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Warum Europas ETCS-Modernisierungsbemühungen einen kompetenten Integrationspartner erfordern.


Verfasst von 

Stefan Erker

Vice President RailCom SBD & Solution Engineering

Europäische Schienennetze werden derzeit auf einen einheitlichen interoperablen ETCS-Standard umgestellt, der mehr als 20 nationale Signalsysteme ersetzt, um einen nahtlosen grenzüberschreitenden Betrieb zu ermöglichen. Die Umrüstung auf ETCS (European Train Control System) gewährleistet die Einhaltung der Vorschriften und unterstützt künftige Automatisierungsmassnahmen wie den automatischen Zugbetrieb ATO (Automatic Train Operations). Gleichzeitig ist sie aber auch insofern ein dringendes Anliegen, als Züge ohne ETCS bald nicht mehr auf modernisierten Strecken verkehren können werden. 


Der Entwicklungsplan der EU rund um das europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem ERTMS (European Rail Traffic Management System) sieht bis 2030  ein ETCS-fähiges Streckennetz von mehr als 50.000 km vor. Doch Stand 2026 ist nur Luxemburg vollständig damit ausgestattet. Belgien liegt bei knapp 90 % und Dänemark bei etwas über 50 %, während Deutschland und Dänemark noch hinterherhinken. Die verstärkte Einführung des ETCS wird eine umfangreiche Modernisierung der Flotten erforderlich machen – im Mittelpunkt steht dabei der European Vehicle Computer (EVC) –, unterstützt durch Sensoren, Odometrie sowie eine zuverlässige GSM-R/4G-Kommunikation und Dachantennen. 

Eine komplexe ETCS-Umstellung

Die Umrüstung von Zügen auf ETCS bedeutet jedoch weit mehr als nur den Einbau neuer OnBoard-Gerätschaften. Erforderlich sein wird vielmehr eine vollständige Systemintegration, besonders im Führerstand und den angrenzenden Bereichen, in denen nicht selten beengte und unregelmässige Platzverhältnisse vorzufinden sind. Im Rahmen der elektrischen Modernisierung werden neue E/A-Module, sichere Buswechsel sowie Kommunikationsgateways und Anbindungen an sicherheitskritische Funktionen wie Notbremsung und Eingänge für Geschwindigkeitssensoren eingeführt. Vor dieser Kulisse benötigen Lokführer eine modernisierte Mensch-Maschine-Schnittstelle mit speziellen ETCS/ATO-Bedienelementen, Trennschaltern und Anzeigen im Führerstand.  


Verbesserungen bei der Stromversorgung und im Batteriemanagement werden ebenso von entscheidender Bedeutung sein, um in Zukunft die erhöhte Systemlast zu bewältigen und die Voraussetzungen für Funktionen wie ATO zu schaffen. 

Modern passenger train entering station

Diese Arbeit muss mit einem präzisen Verständnis der bestehenden elektrischen und physischen Konfiguration des Zugs beginnen, die möglicherweise noch gar nicht vollständig dokumentiert ist. Gleichzeitig sind mehrere Abstimmungsrunden zwischen dem Lieferanten der Kabelsätze und dem Installateur erforderlich, um die Machbarkeit des Projekts zu bestätigen, Anschlusspunkte zu validieren und die Einhaltung von Normen wie der EN45545 sicherzustellen. Ferner müssen Ingenieure eine detaillierte Nachverfolgbarkeit der Konstruktion und eine kontrollierte Stücklistenführung (Bill of Materials, BOM) sicherstellen, wenn sie die passenden niederfrequenten (LF) und hochfrequenten (RF) Kabellösungen, Erdungsverbindungen und Routing-Pfade im gesamten Zug auswählen.

Den richtigen Partner für die Modernisierung der ETCS-Hardware finden

Um wirklich erfolgreich zu sein, ist es zudem wichtig, dass die für das Projekt verwendeten Endverkabelungen als Plug-and-Play-Assemblies mit vollständigen Prüfprotokollen geliefert werden. Dies ist mit erheblichem Aufwand verbunden, da ein einzelnes ETCS-Upgrade rund 50 individuelle Kabelsatz-Assemblies erfordern kann. 


Jeder dieser Schritte erfordert eine umfassende ingenieurtechnische Erfahrung. Aus diesem Grund suchen Kunden heute nicht mehr nur einen Lieferanten, sondern einen Partner mit echter Kompetenz und nachgewiesener technischer Expertise, diszipliniertem Change Management, starken Co-Design-Fähigkeiten und einer zuverlässigen Unterstützung vor Ort. Eine gewisse Fertigungskapazität ist zwar von Vorteil. Doch ebenso entscheidend für die Modernisierung des ETCS ist betriebliche Effizienz. Die besten Partner kreieren die Lösung, optimieren die Performance und integrieren jede Komponente mit Präzision von der Entwicklung bis zur Auslieferung.

Komplexe ETCS-Flottenmodernisierungen umsetzen

HUBER+SUHNER übernimmt diese Rolle für seine Kunden und fungiert als Partner bei ETCS-Upgrades für moderne und historische Zugflotten weltweit. Im Grossbritannien beispielsweise haben wir gemeinsam mit Hitachi GTS komplexe Kabelsätze und HF-Baugruppen für dieselelektrische Class-55-Züge, LMS-Stainer-Dampflokomotiven und Class-43-HST-Triebköpfe geliefert, die allesamt massgeschneiderte Konstruktionen, eine Verlegung unter beengten Platzverhältnissen und spezielle Kabelsatztypen erforderten. 


Ausserdem unterhalten wir langjährige Programme in Grossbritannien mit Alstom, zu denen auch die Elektrobahnen der Baureihen 379/387 sowie die Flotte der Baureihe 390 des Unternehmens gehören. Dieser Umstand stellt einmal mehr unsere Fähigkeit unter Beweis, ETCS-Lösungen in grossen Stückzahlen und mit hoher Konsistenz für unterschiedlichste Schienenfahrzeuge zu liefern. Und das gilt nicht nur für Grossbritannien: In den Niederlanden haben wir Siemens bei der gross angelegten Modernisierung der ViRM-Doppelstock-Elektrotriebzug (Verlengd InterRegio Materieel) unterstützt und LF-Kabelbäume, HF-Assemblies sowie die Antennenintegration für 176 Züge geliefert.

HS LF Assemblies Cabinet Cable systems
Schrank für Kabelsystem

Wie unterstützen Antennenlösungen von HUBER+SUHNER das ETCS?

Ein häufig unterschätztes Element dieser ETCS-Modernisierungen ist die Leistungsfähigkeit der Funkverbindung zwischen dem Zug und der Infrastruktur entlang der Strecke. Angesichts der Tatsache, dass die Flotten derzeit von GSM-R auf den Dual-Radio-Betrieb und letztendlich auf FRMCS umgestellt werden, sind zuverlässige Verbindungen für die Auswahl und Platzierung der Antennen von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit. 


Da FRMCS höhere Bandbreiten, höhere Frequenzen und MIMO-Technologie nutzt, ist das System weitaus empfindlicher in Bezug auf Platzierung, Kabeldämpfung und Integrationsqualität. Es erfordert eine frühzeitige Abstimmung zwischen den Fahrzeug-, HF- und Verkabelungsteams. Und da sich mehrere Funksysteme (GSM-R, FRMCS, LTE/5G, Wi-Fi, GNSS) ein Dach teilen, sind eine solide Filterung, Interferenzmanagement und eine vollständige HF-Validierung der gesamten Kette unerlässlich, um die Leistungsfähigkeit des ETCS während des gesamten Migrationsprozesses abzusichern. Glücklicherweise sind die Antennenlösungen von HUBER+SUHNER genau auf diese Anforderungen ausgelegt.

HS RF SENCITY Rail Railway antennas 33
SENCITY® Rail Antenne

Warum ist ein weltweit agierender Integrationspartner für das ETCS unerlässlich?

Die rasante Weiterentwicklung Europas hin zu vollständig interoperablen, digital gestützten Schienennetzen zeigt keinerlei Anzeichen einer Abschwächung. Der Erfolg des ETCS hängt nicht nur von fortschrittlicher Signaltechnik ab, sondern auch von der Fähigkeit eines Partners, diese zuverlässig, sicher und in grossem Umfang zu integrieren. Die zunehmende Komplexität erfordert Hardware-Anbieter, die über ein fundiertes technisches Know-how und Kompetenz in der Umsetzung verfügen und eng mit den führenden Erstausrüstern (OEMs) und Integratoren zusammenarbeiten. 


ETCS gewinnt auch weit über die Grenzen Europas hinaus an Fahrt, vor allem im Nahen Osten und im asiatisch-pazifischen Raum, in Lateinamerika und in Afrika. Bei diesen neuen Korridoren stehen Interoperabilität und Lebenszykluseffizienz im Vordergrund, was die Notwendigkeit eines weltweit tätigen Anbieters mit starken Kompetenzen in den Bereichen Fertigung, Engineering und Service unterstreicht. HUBER+SUHNER, ein Partner, bei dem diese Kompetenzen zum Standard gehören, liefert weiterhin normenkonforme und zukunftssichere Lösungen für optimale ETCS-Implementierungen. 

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